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Freud Familie


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Die Familie Freud nahm vor 1938 eine herausragende Stellung im intellektuellen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben Österreichs ein: Sigmund Freud (1856–1939) war der international bekannte Begründer der Psychoanalyse, sein Bruder Alexander Freud (1866–1943) war ein wohlhabender Verleger und Experte für Transportrecht, und ihre vier Schwestern – Rosa, Maria, Pauline und Adolfine – lebten ein bürgerliches Wiener Leben.

Nach dem “Anschluss” Österreichs an Nazi-Deutschland wurde die Familie zum Objekt der Verfolgung durch das Nationalsozialistische Regime und sah sich mit Zwangsauswanderung, systematischer Vermögensregistrierung und Enteignung konfrontiert. Während Sigmund und Alexander ins Exil flohen, wurden alle vier Schwestern enteignet, deportiert und ermordet.

Four of Freud's Sisters, © Library of Congress, Washington, D.C.
Vier von Freuds Schwestern, © Library of Congress, Washington, D.C.
Quelle: https://www.freud-museum.at/en/subsites-gallery/articles/the-murder-of-the-sisters

Das Ausmaß der Plünderungen aus dem Besitz der Familie Freud reichte von Unternehmen, Büchern und Kunstsammlungen bis hin zu Haushaltsgegenständen und religiösen Objekten.

Sigmund Freuds Verlag

Obwohl es Sigmund Freud 1938 gelang, sein persönliches Arbeitszimmer, seine Bibliothek und seine Antiquitäten nach London zu exportieren, entstanden durch die Enteignung des Internationalen Psychoanalytischen Verlags erhebliche kulturelle Verluste. Nach dem “Anschluss” wurde der Verlag unter die Verwaltung eines vorläufigen Verwalters, Anton Sauerwald, gestellt und das Vermögen beschlagnahmt. Etwa fünfzehn Eisenbahnwaggons mit Büchern im Wert von schätzungsweise 2 bis 3 Millionen Reichsmark wurden beschlagnahmt und teils vernichtet, darunter sowohl Freuds persönliches Eigentum als auch das institutionelle Rückgrat der Psychoanalyse in Österreich.

Inventory Sigmund Freud apartment 1938, Sigmund Freud Archive (made available by the archivist)
Quelle: Inventar, Sigmund Freud Wohnung, 1938, Sigmund Freud Archiv (vom Freud Archiv Wien zur Verfügung gestellt).

Alexander Freuds Kulturgüter

Wilhelm Victor Krausz, Porträt von Sigmund Freud (1936)
Quelle: https://freunde-jmw.at/project/victor-krausz-bildnis-sigmund-freud-1936

Alexander Freud, der aufgrund bürokratischer Hindernisse und aufgrund des Kriegsausbruch seine Besitztümer nicht ausführen konnte, verlor sein gesamtes Kulturgut, nachdem es 1940 von der Vugesta, einer Plünderungsorganisation der Gestapo in Österreich, beschlagnahmt worden war. Zu seinen geplünderten Vermögenswerten gehörten Möbel, Bücher, Silber und eine bedeutende Kunstsammlung – darunter insbesondere Wilhelm Viktor Krausz’ Ölporträt von Sigmund Freud aus dem Jahr 1936. Jahrzehntelang galt das Gemälde als verschollen, und es waren nur Kopien aus dem Atelier bekannt. Jüngste Provenienzforschungen haben ergeben, dass es sich bei einem 2019 vom Jüdischen Museum Wien erworbenen Werk wahrscheinlich um das Original handelt, was zu erneuten Forschungen zu dessen Beschlagnahmung und Besitzgeschichte geführt hat.

Inventory of Alexander Freud’s apartment, Emigrationsakt Alexander Freud AT-SFP/D/39-41
Inventar, Alexander Freud Wohnung.
Quelle: Emigrationsakt Alexander Freud AT-SFP/D/39-41.
Picture album with Viktor Krausz painting, 1937: Picture album 1937/1938, Sigmund Freud painting by W.V. Krausz in April 1937, Photo Nr. 12/22-23, AT-SFP/D/68B-3153-G/13
Fotoalbum mit Viktor Krausz Gemälde, 1937.
Quelle: Fotoalbum 1937/1938, Sigmund Freud Gemälde von W.V. Krausz, April 1937, Foto Nr. 12/22-23, AT-SFP/D/68B-3153-G/13.

Erfolglose Restitutionsbemühungen und jüngste Entwicklungen

Nach dem Krieg bemühte sich Harry Freud (1909–1968), Alexanders Sohn, jahrzehntelang um Restitution durch amerikanische, österreichische und deutsche Behörden und reichte umfangreiche Anträge auf Rückgabe von geraubten Kulturgütern und Finanzvermögen ein.

Trotz detaillierter Dokumentation und juristischer Bemühungen gelang es zu Harrys Lebzeiten nicht, die Kulturgüter von Alexander Freud auf Objektebene zurückzuerhalten. Die Entschädigung für Alexanders geraubte Kulturgüter beschränkte sich weitgehend auf Wertpapiere und Schmuck. Teilzahlungen wurden erst in den 1970er Jahren, nach Harrys Tod, an seine Witwe geleistet, wobei diese Zahlungen keine Entschädigung für geraubte Kunstwerke und Einrichtungsgegenstände umfassten.

Harry Freud with his dog Astor in Toronto 1949, AT-SFP/D/68B-3143-G/11/5, Sigmund Freud Archive.
Harry Freud mit seinem Hund Astor in Toronto 1949.
Quelle: AT-SFP/D/68B-3143-G/11/5.
Restitution record: DN 1929 -- US, USACA - Property Control Branch, 1945-1950, PC/V/I/28 Harry And Sophie Freud -Cases and Reports Pertaining to Property Administered by the Vienna Area Command (VAC), online at Fold3.
Restitutionsakt.
Quelle: DN 1929 — US, USACA – Property Control Branch, 1945-1950, PC/V/I/28 Harry And Sophie Freud -Cases and Reports Pertaining to Property Administered by the Vienna Area Command (VAC), https://www.fold3.com/image/306500855/pcvi28-harry-and-sophie-freud-page-1-us-usaca-property-control-branch-1945-1950.


Das Freud Museum in Wien präsentiert derzeit eine Ausstellung mit dem Titel „Dokumente des Unrechts: Der Fall Freud“, die bis zum 9. November 2026 läuft und die letzten Monate der Familie Freud im nationalsozialistischen Wien sowie die Ereignisse der folgenden Jahre beleuchtet. Sie zeichnet detailliert die systematische Enteignung von Sigmund Freud und seinem Bruder Alexander nach und eröffnet neue Erkenntnisse, die unser Verständnis vom Schicksal und der Ermordung ihrer vier Schwestern – Rosa, Maria, Adolfine und Pauline – durch das Nazi-Regime vertiefen.

Das Freud Museum hat seine Archivbestände hier online zugänglich gemacht.


Diese Biografie ist Teil der JDCRP-Reihe „Profile europäischer jüdischer Kunstsammlungen und Sammler“. Weitere Biografien werden regelmäßig veröffentlicht.

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